Es gibt verschiedene Arten von Nahtmaterialien und Nadeln. Welche Nadel und welcher Faden gewählt werden, hängt unter anderem von der Lage der Wunde und der Hautdicke ab. Die grundlegende Nahttechnik, also das Führen und Halten der Nadel sowie das Setzen der Knoten, bleibt jedoch immer gleich.
1. Nahtsetzung & Knotentechnik
Die Nadel wird mit einem Nadelhalter gefasst. Winkel und Abstand zur Nadelspitze richten sich nach der Vorliebe des Operateurs. Der Nadelhalter sollte fest, aber nicht übermäßig geschlossen werden, damit weder Halter noch Nadel beschädigt werden. Die Nadel wird senkrecht gehalten und steht im rechten Winkel zur Längsachse des Halters. Eine falsch eingespannte Nadel kann Probleme verursachen, etwa einen erschwerten Durchstich der Haut, eine verbogene Nadel oder einen fehlerhaften Einstich ins Hautgewebe. Das Gewebe muss vorher desinfiziert werden, damit die Naht korrekt gesetzt werden kann. Je nach Vorliebe des Operateurs können Hauthäkchen oder Pinzetten verwendet werden, um das Gewebe behutsam zu halten. Das zu nähende Gewebe sollte keiner übermäßigen Belastung ausgesetzt werden, damit es nicht abgeschnürt wird. Tritt die Nadel nach einem Stich aus dem Gewebe aus, wird sie mit der Pinzette gefasst. Bevor der Nadelhalter gelöst wird, muss die Nadel gehalten und stabilisiert werden. Dieser Handgriff verringert das Risiko, die Nadel in der Dermis zu verlieren. Er ist vor allem dann nötig, wenn am Rücken kleine Nadeln verwendet werden und für eine gute Adaptation des Gewebes große Stiche erforderlich sind. Die Nadel sollte die Haut im 90°-Winkel durchstechen, da dies die Einstichstelle klein hält und die Eversion der Wundränder fördert. Die Nadel wird 1-3 mm vom Wundrand entfernt eingestochen, wobei der Abstand je nach Hautdicke variieren kann. Winkel und Tiefe der Naht hängen von der jeweiligen Nahttechnik ab. Beide Seiten der Naht sollten spiegelbildlich sein. Die Nadel muss die Haut senkrecht zur Hautoberfläche wieder verlassen. Ist die Naht richtig gesetzt, wird sie mit einem Knoten gesichert. In der Dermatochirurgie wird am häufigsten der instrumentelle Knoten verwendet, in der Regel als Kreuzknoten. Zuerst wird das lange Fadenende zweimal vollständig im Uhrzeigersinn um die Spitze des Nadelhalters gewickelt. Mit der Spitze wird dann das kurze Fadenende gefasst. Durch Überkreuzen der Hände wird das kurze Ende durch die Schlinge am langen Ende gezogen. So liegen die beiden Fadenenden auf gegenüberliegenden Seiten. Anschließend wird der Nadelhalter einmal gegen den Uhrzeigersinn um das lange Fadenende gedreht. Das kurze Ende wird erneut mit der Spitze des Nadelhalters gefasst und noch einmal durch die Schlinge gezogen. Die Naht wird so fest angezogen, dass die Wundränder aneinanderliegen, ohne das Gewebe einzuschnüren. Oft ist es sinnvoll, nach der 2. Knotenreihe eine kleine Fadenschlaufe zu lassen. Diese Reserveschlaufe erlaubt es der Naht, sich leicht zu dehnen, und verhindert, dass das Gewebe abgeschnürt wird. Der Operateur kann eine weitere Knotenreihe hinzufügen. Mehrere aufeinanderfolgende Knoten sind notwendig. Jeder Knoten wird parallel zum vorherigen gelegt.
Ausführung verschiedener Nahttypen
2. Einzelknopfnaht
Die vielseitigste und am häufigsten verwendete Naht ist die Einzelknopfnaht. Dabei wird die Nadel senkrecht zur Epidermis eingestochen, durch Epidermis und Dermis geführt und auf der anderen Seite der Wunde wieder senkrecht zur Epidermis ausgestochen. Beide Seiten des Stichs müssen in Breite und Tiefe symmetrisch sein. Insgesamt hat die Naht eine flaschenförmige Form: An der Basis muss der Stich breiter sein als im oberflächlichen Teil an der Epidermis. Erfasst der Stich an der Basis mehr Gewebe als an der Spitze, drückt die Kompression das Gewebe nach oben und sorgt für eine Eversion der Wundränder. Das verringert das Risiko einer eingesunkenen Narbe, wenn sich die Wunde während der Heilung zusammenzieht. Die Stiche müssen gleichmäßig gesetzt werden, damit die Wundränder exakt auf gleicher Höhe zusammentreffen. So sinkt das Risiko eines Höhenversatzes der Wundränder. Die Stichgröße auf beiden Seiten lässt sich unterschiedlich wählen, indem man den Abstand der Einstich- und der Ausstichstelle zum Wundrand verändert. Auch die gewählte Stichtiefe spielt dabei eine Rolle. Unterschiedlich große Stiche auf beiden Seiten der Wunde können eine bestehende Asymmetrie in Höhe und Dicke der Wundränder ausgleichen. Kleine Stiche eignen sich, um die Wundränder genau anzupassen. Große Stiche sind ideal, um die Wundspannung zu verringern.
3. Einfache versenkte Naht
Diese Naht ist besonders wichtig, um die Wundspannung auf die Dermis statt auf die Epidermis zu verteilen und Hohlräume zu verschließen. Sie stützt die heilende Wunde über längere Zeit und verbessert das kosmetische Ergebnis. Der Wundrand wird mit einem Hauthäkchen evertiert, dann wird ein resorbierbarer Faden auf subkutaner Ebene eingestochen und auf derselben Wundseite auf Höhe der Dermis wieder ausgestochen.
4. Vertikale Matratzennaht
Die vertikale Matratzennaht ist im Grunde eine Variante der Einzelknopfnaht. Sie besteht aus einem tiefen, weiten Einzelstich in den Wundrand und einem oberflächlichen Einzelstich, der näher am Wundrand in Gegenrichtung gesetzt wird. Die Breite des Stichs muss im Verhältnis zur Wundspannung zunehmen: Je höher die Spannung, desto breiter der Stich.
5. Horizontale Matratzennaht
Bei der horizontalen Matratzennaht wird die Nadel etwa 5mm bis 1 cm vom Wundrand entfernt in die Haut eingestochen. Der Faden wird tief durch die Dermis zur gegenüberliegenden Seite der Nahtlinie geführt und tritt dort im gleichen Abstand zum Wundrand aus der Haut aus. Auf dieser Seite der Nahtlinie wird die Nadel nur 1 cm neben der Ausstichstelle erneut eingestochen. Dann wird der Stich tief zur gegenüberliegenden Wundseite zurückgeführt. Dort tritt er aus der Haut aus, und der Knoten wird geknüpft.
6. Einfache fortlaufende Naht
Eine fortlaufende Naht besteht im Grunde aus hintereinander gesetzten Einzelknopfnähten. Sie beginnt mit einem Einzelstich, der geknotet wird. Danach folgt eine Reihe einfacher Stiche, ohne dass der Faden nach jedem Stich geknotet oder abgeschnitten wird. Die Stiche müssen gleichmäßige Abstände haben, damit sich die Spannung gleichmäßig entlang der Nahtlinie verteilt. Nach dem letzten Stich am Ende der Nahtlinie wird die Naht mit einem Knoten abgeschlossen. Dieser Knoten wird zwischen dem Fadenende, das aus der Wunde austritt, und der Schlaufe des letzten Stichs geknüpft.
7. Fortlaufende Schlingennaht (Reverdin-Naht)
Eine fortlaufende Naht kann mit oder ohne Verschlingung ausgeführt werden. Der erste Knoten einer fortlaufenden Schlingennaht wird wie bei einer herkömmlichen fortlaufenden Naht geknüpft. Die Verschlingung entsteht, indem die Nadel bei jedem Stich durch die vorherige Schlaufe geführt wird. Diese Naht wird auch Baseballnaht genannt, weil die fertige Nahtlinie an die Naht eines Baseballs erinnert.
8. Fortlaufende Intrakutannaht
Diese Technik dient der Adaptation der Epidermis und eignet sich für Wunden mit geringer oder ohne Spannung. Sie sollte fast nie ohne eine tiefe dermale Naht eingesetzt werden, da ihre Stärke in der Feinadaptation der Epidermis liegt und sie bei erheblicher Spannung weniger wirksam ist. Außerdem setzt sie eine relativ kräftige Dermis voraus, da es sich um eine überwiegend intradermale Technik handelt, die keine Festigkeit aus der Epidermis bezieht. Bei atrophischer Haut oder in Bereichen mit sehr dünner Dermis, etwa an den Augenlidern, sollte sie daher vermieden werden.